Deutscher Evangelischer Verband
für Altenarbeit und Pflege e.V.

Kurzbericht DEVAP Onlineforum „Wie sieht die Pflegeschule von morgen aus?“ am 05.10.2026 zum Fokus KI im Pflegeunterricht

Der DEVAP hat am 5. Oktober 2026 im Rahmen des ersten DEVAP-Onlineforums zum Thema „Wie sieht die Pflegeschule von morgen aus?“ über den Einsatz von KI im Pflegeunterricht mit Expert*innen und den 55 Teilnehmenden intensiv diskutiert.

Die generalistische Pflegeausbildung stärkt die Profession Pflege durch ein breiteres Kompetenzprofil, mehr Mobilität und ein gemeinsames Berufsverständnis. Gleichzeitig steigen seit ihrer Einführung 2020 die Ausbildungsabbrüche, unter anderem aufgrund vieler Fremdeinsätze und fehlender Spezialisierungsmöglichkeiten. Für die erfolgreiche Umsetzung des Paradigmenwechsels zur generalistischen Ausbildung braucht es Veränderungen in Schule, Ausbildungspraxis und Personalentwicklung. Praxisanleiter:innen und Lehrende sollten Auszubildende dabei unterstützen, die generalistische Ausbildung aktiv mitzutragen.

Um diese Entwicklung gut zu begleiten, hat der DEVAP am 5. Oktober 2026 zum ersten Onlineforum „Wie sieht die Pflegeschule von morgen aus?“ mit Fokus auf den Einsatz von KI im Pflegeunterricht eingeladen. 

Anna Leonhardi, Mitglied des Vorstandes, und Uwe Machleit, DEVAP-Kuratorium, führten in die Veranstaltung thematisch ein. Sonja Schneider-Koch, DEVAP-Vorständin, moderierte das Fachforum.

Dr. Oliver Nahm, KI in der beruflichen Bildung beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), referierte zu Beginn zum Thema „KI im Pflegeunterricht: Lernst du noch oder promptest du schon? – Chancen und Risiken einer disruptiven Technologie“. KI ist Gift und Heilmittel zugleich, führte er aus; entscheidend ist, nach welchen ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen und in welchen Lebensbereichen wir diese einsetzen. Das Thema KI ist in der Bildungslandschaft noch nicht weit vorgedrungen; hier gibt es noch viel Potenzial.

Einsatzbereiche in der Pflege sind beispielsweise das Training von Übergaben, Entscheidungsfindung, Pflegedokumentation, Übersetzung von Patienteninformationen sowie Fallreflexion. Zentrale Kompetenzen im KI-Zeitalter sind Kommunikations- sowie Fachkompetenz und kritisches Denken. 85 % der Auszubildenden nutzen bereits KI-Tools (Erhebung Azubi-Recruiting Trends 2026). Die menschliche Verbindung wird (auch) in der Pflege weiterhin im Vordergrund stehen. Im Pflegeunterricht gibt es aktivierendes oder ersetzendes Lehren; nicht Top-down, sondern Bottom-up unter enger Einbindung der Schüler:innen.

Die Pflegeschulen sind sehr heterogen aufgestellt. Über den Ausgleichsfonds können digitale Kosten grundsätzlich geltend gemacht werden; allerdings sind diese nie langfristig angelegt, sondern oft nur auf einmalige Ausgaben begrenzt; laufende Softwarekosten werden nicht refinanziert.

Anschließend berichteten Gela Spöthe und Anya Seidelmann vom Rauhen Haus, Ev. Berufsschule für Pflege in Hamburg, als Best Practice zum erfolgreichen Einsatz von KI im Klassenzimmer.

Genutzt wird am Rauhen Haus beispielsweise FelloFish. Dies ist ein individuelles Feedbacktool für Lehrende und Lernende, das regelhaft genutzt und geschult wird. Grundsätzlich ziehen die Auszubildenden und auch Lehrenden ein positives Fazit; allerdings macht die KI hier auch teils noch Fehler. An der Berufsschule wird eine Nutzungsvereinbarung verwendet, welche alle Schüler:innen unterzeichnen. Inhalte sind hier z. B. Transparenzpflicht, Datenschutz sowie zulässige und unzulässige Nutzungen. Zudem gibt es einen KI-Leitfaden für die Schule. Zudem wird Fobizz verwendet. Dies bietet digitale Fortbildungen für Lehrkräfte, interaktive KI-Tools und Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte, Schulen, Schulträger und Bundesländer.

In der abschließenden Diskussionsrunde wird deutlich, dass die technischen Kompetenzen bei den Schüler:innen oft nicht ausreichend vorhanden sind. Auch hier müssen die Schulen von Beginn an aktiv mit kontinuierlichen Fortbildungen unterstützen. Die Pflegeschulen müssen zudem im DigitalPakt 2.0 deutlich stärker berücksichtigt werden. Zudem sollte in der Ausbildungspauschale auch Luft für Materialien sein, die den Auszubildenden dienlich sind, wie digitale Endgeräte. KI-Beauftragte sind an den Schulen sinnvoll. Anna Leonhardi führt zum Ende aus, dass für eine gelungene Ausbildung und Stärkung der Pflege gute Ausbildung refinanziert werden muss.

2. DEVAP-Onlineforum mit Fokus „6 Jahre Pflegeberufegesetz: Wo stehen wir?“

Am Mittwoch, den 9. Dezember 2026 von 10:30 bis 13:30 Uhr lädt der DEVAP zum zweiten Online-Fachforum ein, um über die Zukunft der Pflegeausbildung in der Langzeitpflege zu diskutieren. Wir werden Expert*innen aus Bundesministerien und der Praxis zu den Themen „6 Jahre Pflegeberufegesetz: „Wo stehen wir?“, sozialpädagogische Begleitung und Beratung sowie Coaching für Pflegekräfte begrüßen.

Nähere Informationen sind dem Flyer zu entnehmen. Anmeldungen sind ONLINE möglich.