Deutscher Evangelischer Verband
für Altenarbeit und Pflege e.V.

DEVAP-Pressemitteilung "Deutschland braucht einen neuen Gesellschaftsvertrag für die Pflege"

Der DEVAP fordert in seiner aktuellen Pressemitteilung einen befristeten Solidaritätsbeitrag der Babyboomer:

Berlin, 17.09.2025 „Der Ansatz eines befristeten Solidaritätsbeitrags der Babyboomer geht bewusst über technische Systemkorrekturen hinaus und schafft einen neuen Generationenvertrag für die Pflege, der finanzielle Stabilität mit gesellschaftlichen Solidaritäten verbindet“, so Wilfried Wesemann, Vorsitzender des DEVAP e.V. „Deutschland braucht einen solchen neuen Gesellschaftsvertrag für die Altenpflege dringend, um ein Pflegesystem zu schaffen, das dem demografischen und gesellschaftlichen Wandel gewachsen ist und das Vertrauen aller Generationen verdient.“

„Deutschland steht vor einem beispiellosen demografischen und gesellschaftlichen Wandel. Ab den 2030er-Jahren werden die geburtenstarken Jahrgänge in der Breite in ein Alter eintreten, in dem das Risiko der Pflegebedürftigkeit stark ansteigt“, so Dr. Bodo de Vries, DEVAP-Vorstand und Vorstand Ev. Johanneswerk. „Schon heute zeigt sich, dass die bisherige Finanzierungsstruktur aus Eigenanteilen, Pflegeversicherungsbeiträgen und Steuerzuschüssen ihre Grenzen erreicht. Die zentrale Herausforderung besteht in der intergenerativen Asymmetrie: Jüngere Generationen tragen bereits jetzt steigende Kosten, während ihre Aussichten auf eine vergleichbare Absicherung im eigenen Pflegefall schwindet. Diese strukturelle Schieflage gefährdet den gesellschaftlichen Konsens, auf dem die Pflegeversicherung basiert.“

Die heutigen Beitragszahler tragen bereits jetzt steigende Kosten, während ihre Aussichten auf angemessene Leistungen im eigenen Pflegefall kontinuierlich schwinden. Ohne durchgreifende Reformen drohen lautet IGES-Institut Beitragssätze von bis zu 4,5 Prozent bis 2033. Das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) rechnet sogar mit 5,9% bis 2030.

„Diese systematische Verschiebung von Verantwortung untergräbt das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Pflegeabsicherung und gefährdet den gesellschaftlichen Konsens, auf dem die Pflegeversicherung basiert“, so Wesemann weiter. „Wenn junge Menschen heute bereits daran zweifeln, ob sie im Alter eine angemessene Pflegeversorgung erhalten werden, obwohl sie zeitlebens in das System einzahlen, ist dies ein Alarmsignal für die Zukunftsfähigkeit unseres Sozialstaats.“

„Pflege darf langfristig jedoch nicht auf institutionelle Versorgung und deren monetäre Absicherung reduziert werden, sondern muss eingebettet sein in soziale Netze, die Menschen tragen“, so Dr. de Vries abschließend. „Eine Pflegereform, die diesen Zusammenhang weiter ignoriert, wäre von Vornerhein zum Scheitern verurteilt.“

Der DEVAP bringt sich mit seinem Strategiepapier „Trotzdem Pflege: Für jeden, zu jeder Zeit“ auf Bundesebene auch weiterhin aktiv für eine umfassende Struktur- und Finanzreform der Pflegeversicherung ein.