Deutscher Evangelischer Verband
für Altenarbeit und Pflege e.V.

DEVAP-Pressemitteilung "Armutsrisiko Pflege: Zeit für ehrliche Antworten – statt täglich neuer Schreckensmeldungen"

„Die Versorgungssicherheit in der Langzeitpflege bleibt massiv angespannt. Personalmangel, steigende Eigenanteile und wirtschaftlicher Druck setzen Pflegebedürftige und Einrichtungen unter Druck. Damit wächst auch die Sorge der Menschen vor dem Armutsrisiko Pflege“, so Anna Leonhardi, Mitglied des DEVAP-Vorstandes. 

Das zeigt auch die aktuelle DEVAP-Umfrage unter 244 Trägern der ambulanten, teilstationären und stationären Pflege. Der DEVAP fordert deshalb eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung – statt kurzfristiger Einsparungen und unverbindlicher Prüfaufträge.

„Die berechtigten Erwartungen, die die Branche an eine echte Struktur- und Finanzreform hat, kann von der Pflegestrukturkommission nur dann erfüllt werden, wenn die Besetzung sowie der zeitliche und inhaltliche Rahmen realistisch gesetzt sind“, erklärt Leonhardi.

In der Kommission wirkt auch der DEVAP-Kurator und Gesundheitsökonom Prof. Heinz Rothgang mit. Der DEVAP fordert die Praxis eng durch Hearings in die Kommissionsarbeit einzubinden.

„Wir brauchen einen verbindlichen Stufenplan für eine Finanz- und Strukturreform der Pflegeversicherung. Unverbindliche Arbeitsaufträge, wie sie derzeit im PNOG vorgesehen sind, reichen nicht aus. Die Pflegeversicherung braucht endlich eine verlässliche Perspektive“, betont Leonhardi.

Pflege braucht Vertrauen statt Schreckensmeldungen

Der DEVAP warnt davor, die Debatte über die Pflegeversicherung auf die Frage einer drohenden „Pleite“ zu reduzieren. Die Menschen brauchen Klarheit darüber, wie Pflege künftig finanziert und organisiert werden soll. 

„Solche Meldungen schüren Ängste. Dem müssen wir eine Vertrauenskultur – ‚Trust in care‘ – und eine realistische Zukunftsperspektive entgegensetzen“, so Leonhardi. „Dazu gehören aus Sicht des DEVAP eine Vereinfachung der Bürokratie, verständliche Zugänge zur Pflege und eine generationengerechte Verteilung der Kosten. Die Rückzahlung der Corona-Aufwendungen und ein Finanzausgleich zwischen privater und gesetzlicher Pflegeversicherung würden kurzfristig das System finanziell stabilisieren und der Strukturkommission die notwendige Zeit für ihre wichtige Aufgabe geben.“

„Eine echte Pflegereform muss den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Gleichzeitig brauchen die Träger verlässliche Rahmenbedingungen, um die Versorgung sicherzustellen“, so Leonhardi.

Auszüge aus der DEVAP-Umfrage zur Versorgungssicherheit belegen

54,3 Prozent der Einrichtungen mussten in den vergangenen sechs Monaten Leistungen aus personellen Gründen einschränken. Gleichzeitig bleiben stationäre Pflegeplätze trotz bestehender Nachfrage teilweise unbelegt, während ambulante Dienste Pflegeanfragen ablehnen müssen. Diese Entwicklung hat sich in den vergangenen vier Jahren verstetigt.

„Personalmangel und wirtschaftlicher Druck führen zu konkreten Versorgungsproblemen in der Langzeitpflege. Wenn Pflegeplätze nicht belegt werden können und ambulante Dienste Anfragen ablehnen müssen, ist der Handlungsdruck offensichtlich“, erklärt Leonhardi.

Auch wirtschaftlich bleibt die Lage angespannt: 62,7 Prozent der Befragten berichten von Außenständen bei Sozialhilfeträgern und langen Wartezeiten. Bei mehr als einem Drittel führen diese bereits zu einer wirtschaftlichen Schieflage. Gleichzeitig erwarten 97,7 Prozent der ambulanten Befragten Auswirkungen der in der Umfrage beschriebenen geplanten Maßnahmen des Pflegeneuordnungsgesetzes