Deutscher Evangelischer Verband
für Altenarbeit und Pflege e.V.

Bericht DEVAP-Fachtagung „Rahmenlehrpläne: Implementierung ins Curriculum“ am 29. Oktober 2019 in Essen

Der DEVAP hatte am 29. Oktober 2019 nach Essen zu einer Fachtagung zum Pflegeberufegesetz eingeladen. Über 100 Pflegepädagogen und Schulleiter waren zu Gast. Thema der Veranstaltung war die Überführung des neuen Rahmenlehrplans in die Curricula der Pflegeschulen.

Prof. Gertrud Hundenborn, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands des DIP und Mitglied in der Fachkommission, referierte zu Beginn der Veranstaltung zum Begründungsrahmen und der Entwicklung des Rahmencurriculums. Basis sind die Innovationen der Pflegeberufereform:

  1. Pflege von Menschen aller Altersstufen in unterschiedlichen Pflege- und Lebenssituationen und in unterschiedlichen Versorgungskontexten (→ generalistische Ausrichtung)
  2. unter bestimmten Voraussetzungen spezifische Ausrichtungen im 3. Ausbildungsdrittel möglich (Kinder und Jugendliche oder alte Menschen)
  3. erstmalige Regelung vorbehaltener Tätigkeiten (§ 4 PflBG)
  4. berufliche Ausbildung an Pflegeschulen oder primärqualifizierendes Studium an Hochschulen
  5. erweiterte Kompetenzen durch Übernahme heilkundlicher Aufgaben
  6. erstmalige Entwicklung bundeseinheitlicher Rahmenpläne für den theoretischen und praktischen Unterricht und für die praktische Ausbildung

Ziele der bundeseinheitlichen Rahmenpläne sind zum einen die Vergleichbarkeit der Ausbildung zwischen den verschiedenen Bundesländern, zwischen den verschiedenen Schulen und zwischen den verschiedenen Einrichtungen. Zum anderen sollen sie eine Orientierungshilfe für Pflegeschulen, als Grundlage für schulinterne Curricula, und für Träger der praktischen Ausbildung, als Grundlage für Ausbildungspläne, dienen. Zum Ende des Vortrags ging Prof. Hundenborn darauf ein, wie es bei der schulinternen Curriculumentwicklung weitergeht: der Begründungsrahmen legt die zentralen Hintergründe und Entscheidungen offen, die für die Entwicklung des Bildungsprogramms wichtig sind. Er ermöglicht so den Nutzern den Nachvollzug des Begründungs- und Entscheidungsprozesses, fördert durch die Transparenz die Akzeptanz und das Verständnis für die entwickelten curricularen Einheiten.

Uwe Machleit, Vorstandsmitglied und Vorsitzender des Fachausschusses Aus-, Fort- und Weiterbildung, ist ebenfalls Mitglied in der Fachkommission und betonte anschließend in seinem Vortrag „Rahmenlehrpläne: Praktische Umsetzungshinweise für Pflegeschulen“, dass Schulen und Praxisträger zukünftig intensiver zusammenarbeiten müssen, um Theorie und Praxis zusammenzuführen. Für die Praxisanleiter bedeute das, Pflege- und Berufssituationen als konkrete Lernsituationen zu identifizieren. Durch Pflichtfortbildungen und gesetzlich vorgeschriebene Anleitungsstunden, die im Dienstplan zu vermerken sind, kommt mit dem Pflegeberufegesetz ab 2020 zusätzliche Verantwortung auf sie zu. Zuweilen führe das aber auch zu Skepsis, erklärte Machleit: Im Rahmen von Auffrischungskursen für bestehende Praxisanleiter äußerten diese die Sorge, keine Freistellung im Dienstplan für die Anleitungssituationen zu bekommen und somit zukünftig eine noch größere Arbeitslast zu tragen. Eine wichtige Leitfrage für die Pflegeschulen sei also, wie sie den Austausch und die intensivere Zusammenarbeit mit den Praxisträgern und -anleitern gestalten. Möglich sei zum Beispiel, den praktischen Ausbildungsplan gemeinsam zu gestalten.

Georg Bloch-Jessen, Referent Theologie im Leitungsstab Diakonie Deutschland, informierte in einem dritten Vortrag über das Projekt „Diakonisches Profil in der generalistischen Pflege“ und gab Hinweise zur Implementierung ethischer und spiritueller Aspekte ins Curriculum. Zusammen mit der Diakonie Deutschland entstand das Projekt zur integrativen Verankerung des diakonischen Profils in der Pflegeausbildung. Der Diakonie Text bietet einen Impuls zur Ergänzung der Schul- und Praxis-Curricula. Ziel ist die Vielgestaltigkeit evangelischer Traditionen zu bewahren, diese aber auch in der Neugestaltung der Ausbildungsinhalte zu konkretisieren. Daher dienen die Bausteine diakonischer Haltung als Orientierung und Anregung zur selbständigen Verankerung diakonischen Profils im Curriculum, so Hr. Bloch-Jessen.

Neben dem fachlichen Input war am Nachmittag auch Raum für gemeinsame Diskussionen zu den einzelnen Themenbereichen im Rahmen von Workshops mit dem jeweiligen Referenten sein. Der Fachtag wurde graphisch durch Elke Renate Steiner begleitet.